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"Politik hat also von Anfang an mein Leben bestimmt."

VIKTORIA KAPFERER, 28

Viktoria Kapferer ist in der 175-Seelen-Gemeinde St. Sigmund im Sellrain natürlich bekannt. Als eine der jüngsten Gemeindevorstände Tirols, als junge, selbstbewusste Frau, als Tochter des Langzeitbürgermeisters Karl Kapferer.

Viktorias

Dorfstories

„Eine politisch denkende Frau war ich eigentlich schon immer. Darum war ich fast etwas beleidigt, dass mich Papa während seiner Zeit als Bürgermeister nicht auf die Wahlliste genommen hat. Heute verstehe ich das viel besser, Recht hat er gehabt.“ Nachdem Karl Kapferer zurückgetreten war, kandidierte Viktoria erstmals für den Gemeinderat. Die Wartezeit war zu Ende.

Vorzugsstimmenwahlkampf

Dass sich junge Frauen aktiv in der Gemeindepolitik engagieren, ist insbesondere in kleinen Gemeinden keine Selbstverständlichkeit. Viktoria wurde bei der Gemeinderatswahl 2016 auch nur Platz acht auf der Liste zugeteilt –eine aussichtslose Angelegenheit. „Für mich war klar, damit hab´ ich keine Chance in den Gemeinderat einzuziehen. Ich hab´ darum einen Vorzugsstimmenwahlkampf begonnen, nichts dem Zufall überlassen, bin von Haus zu Haus gezogen, hab mich vorgestellt und meine Ideen erklärt. So bin ich auf Platz vier vorgereiht und gewählt worden,“ erzählt sie heute. Als eine von zwei Frauen, die nun im neunköpfigen Gemeinderat von St. Sigmund sitzen.

Das Hauptproblem zu Beginn war, die Leute zu überzeugen, dass die Tochter nicht das Sprachrohr des Vaters, des Langzeitbürgermeisters, ist. „Ich habe da schon meine eigenen Ideen eingebracht, mich immer frei entschieden.“ Bei der Tagesbetreuung, im Bereich Wirtschaft & Tourismus wollte Viktoria schon andere, neue, frische Akzente setzen.

Kindergartenskikurs

Den Kindergartenskikurs für das gesamte Sellraintal gibt es mittlerweile seit 2018, eine gemeinsame Initiative der Gemeinden Gries, Sellrain und St.  Sigmund. Die Idee dazu kam von Viktoria Kapferer. „Ich durfte das alles organisieren, mit den anderen Gemeinden reden, Skischulen, Skiverleih und die Lebensmittelgeschäfte mit einbinden. Das war und ist eine großartige Sache, quer über alle Parteigrenzen hinweg. Ich glaube schon, dass man da den weiblichen Touch sehr deutlich sieht.“

Ach ja, ebenfalls ausdrücklich zu erwähnen: Gleich nach ihrer Wahl 2016 wurde Viktoria in den Gemeindevorstand bestellt, sozusagen in die Regierung der Gemeinde. Eine durchaus unübliche Karriere, vor allem wenn man das jugendliche Alter der Neo-Mandatarin bedenkt. Andererseits bringt Kapferer aufgrund ihres familiären Hintergrundes viel an Wissen und Erfahrung mit. Dass sie am MCI Innsbruck berufsbegleitend Wirtschaft und Management studiert, wird wohl auch kein Nachteil gewesen sein.

Wann wird es denn die erste Bürgermeisterin im Sellraintal, in St. Sigmund geben? „Das wird wohl noch ein bisschen dauern,“ hält sich Kapferer zurück, „aber in den nächsten zehn Jahren könnte es dann durchaus so weit sein. Frauen haben einfach eine andere Perspektive, eine andere Herangehensweise. Das ist kein Nachteil.“ Und was möchte sie den jungen Menschen, die sich nun in der Gemeindepolitik engagieren wollen, mitgeben?

Klarer Fall – da mach ich mit!

Es gibt Fragen, die man gar nicht zu stellen braucht, weil die Antworten ohnehin klar sind. Etwa jene, wie Viktoria Kapferer zur Gemeindepolitik gekommen ist. „Ich hab´ Papa mein ganzes Leben eigentlich nur als Bürgermeister gekannt. Politik hat also von Anfang an mein Leben bestimmt. Somit war es klar, dass auch ich mich einmal im Gemeinderat engagieren werde.“ Viktoria ist heute 28 Jahre alt, ihr Papa Karl Kapferer war 29 Jahre lang Bürgermeister von St. Sigmund im Sellrain. Im Herbst 2015, wenige Monate vor der Gemeinderatswahl 2016, trat er dann zurück.